
Quito
Capital of Ecuador
“What is now proved was once only imagined.”
― William Blake
Mein zweiter Stop war die Hauptstadt von Ecuador, doch zuerst will ich euch erzaehlen wie ich die Stadt ueberhaupt erreicht habe. Denn Hitchhiken funktioniert in diesem Land wirklich 1A :).
Als ich mich von Otavalo verabschiedet hatte und mich fuer eine Weile mit ausgestreckten Daumen neben der Strasse bequem machte, dauerte es nicht lange und ein Familienvater stoppte mit seinem Pick-Up um einer Reisenden zu helfen. Gluecklicherweise musste er ebenfalls nach Quito und somit machten wir uns gemeinsam auf dem Weg.
Voller Begeisterung erzaehlte er von seinem Land und machte direkt einen kleinen Umweg um noch den See San Pablo zu besuchen. Da meine Kamera gut in meinem Rucksack versteckt war und wir ebenfalls nur einen kleinen Stop machten musste mein Handy ausreichen aber als Erinnerung bleibt es auf jeden Fall :).
Danach ging es weiter zur Hauptstadt, die Landschaft war atemberaubend und es ging von einem Berg zum anderen. Durch das Kurvenreiche Ereignis konnten wir leider kaum anhalten um die Aussicht festzuhalten aber die wenigen Bilder die ich habe, will ich euch natuerlich nicht vorenthalten.
In Quito angekommen musste ich meine Bleibe fuer die naechsten Tage finden und das ist in einer Millionenstadt gar nicht so einfach. Nachdem ich mein ganzes Gepaeck ungefaehr tausend Huegel hinauf und wieder hinunter geschleppt hatte, musste ich mit Enttaeuschung feststellen das es die zwei guenstigsten Hostels anscheinend einfach nicht gibt. Ich versuchte es mit einer Offline Map, mit Einheimischen und auf Verdacht einfach mal Strassen auszukunschaften aber ohne Erfolg. Ein netter Security Mann erklaerte mir das dieses Gebaeude schon seit mehr als zwei Jahren leer stehen wuerde.
Naja dann ging es eben weiter mit der Suche, das naechste auf meiner Liste war ebenfalls ein guter Preis fuer 5 Dollar die Nacht doch als ich den Berg sah wo sich das Hostel befand, verstand ich wieso es so guenstig war. Keiner geht dort freiwillig mit Gepaeck hoch und wir Backpacker haben grossteils kein Geld fuer ein Taxi.
Mit mehreren Anlauefen schaffte ich die 900 Meter steil bergauf mit 20Kg auf dem Ruecken, schweißgebadet stand ich vor der Tuer und musste ehrlich gesagt anfangen zu schmunzeln denn die Klingel war eindeutig nicht in meiner Reichweite. Ich dachte immer lateinamerikanische Menschen sind kleiner als Europaer aber da hatte ich einfach keine Chance. Zum Glueck dauerte es nicht lange und ein junger Mann mit einem leckeren Eis in der Hand spazierte auf mich zu.
Hungrig und nicht faehig in Spanisch zu denken versuchte ich nach Hilfe zu fragen, er willigte sofort ein und wir kamen ins Gespraech. Nachdem er geklingelt hatte konnte ich mein Lachen nicht mehr zurueckhalten da sie sehrwohl in meiner Reichweite war, nur erkannte ich sie nicht. Den Schalter den ich vergebens versucht hatte zu druecken, aktivierte lediglich das Licht im Aussenbereich.
Im Hostel selbst wurde ich direkt herzlich begruesst und bekam anschliessend alle noetigen Informatione fuer meine naechsten Tage.
Am naechsten Morgen ging ich dann mit Chase, ein Amerikaner aus Altanta der gleichzeitig mein Held mit der Tuerklingel war, zum anderen Ende der Stadt um dem Äquator und dessen Monument zu besuchen. In den 80ern wurde der Punkt erstmals gefunden und ein grosses Monument wurde errichtet um diesen Ort zu wuerdigen, als jedoch das GPS die Menschenmassen erreichte musste man festellen das sich der eigentliche Äquator 240m noerdlich des Monuments befindet.
Natuerlich mussten wir beide Orte genau auskundschaften und wie wir es von unserer Welt gewohnt sind, wurden beide Orte in teure Touristenfallen verwandelt.
Wir besuchten zuerst den wahren Ort wo der Äquator verlaeuft und mussten feststellen das wir 4 Dollar zahlen muessen um ein Foto mit der Linie machen zu duerfen sowie eine 40 Minuetige Tour mit Informationen ueber den Äquator. Fuer viele klingt das vielleicht toll aber glaubt mir, wenn ihr dort gewesen waert wuerdet ihr verstehen wieso wir nur schnell ein Foto erhascht hatten und dann schnell das Weite gesucht haben.
Danach ging es ueber die selbe nicht asphaltierte Strasse zurueck zum Monument und das grosse Areal, die Security Maenner und das riesen Muesum schien dann doch viel serioeser. Hier war der Eintritt 5 Euro und vermutlich ist dies auch sehenswert. Wir beschlossen von der Absperrung ein paar Fotos zu schiessen und dann doch die Informationen und Geschichten von Einheimischen bei einem netten Essen zu hoeren.
Danach sprangen wir wieder in den Bus und hatten ungefaehr eine halbe Stunde bis wir unsere Haltestelle erreichten. Mit vollen Magen, teilten wir Geschichten und lachten herzlich waehrend der ganzen Busfahrt.
Danach trennten sich unsere Wege und ich versuchte noch ein paar Postkarten zu finden. Auf dem Weg ins touristische Zentrum fand ich wunderschoene Kirchen und Gebaeude, Strassenkuenstler und aus irgendeinem Grund gab es an jeder Ecke eine Eisdiele oder jemanden der Eis verkaufte. Dadurch das ich aus Oesterreich stamme assoziiere ich Juli mit warmen Wetter und Sonnenschein, jedoch war Ecuador so kalt das mir drei Decken in meinem Bett immer noch zu wenig waren. Deswegen wunderte ich mich sehr, das die Leute hier so eine Faszination fuer Eis Creme hegten, waehrend es draussen 10 Grad hatte aber um ehrlich zu sein gab es Momente im Winter da wuenschte ich mir auch ein leckeres Twinni Eis in Oesterreich :D.
Am Abend lernte ich dann noch Mark, ein Weltenbummler aus der Schweiz und die unschuldige und suesse Lune aus Frankreich kennen. Zum ersten Mal war ich in Ecuador in einem Dorm und ich muss sagen das ich es irgendwie vermisst hatte mit den Leuten zu plaudern. Wir hatten viel Spass und tauschten Ideen, Empfehlungen und Geschichten von unseren Reisen aus.
Obwohl Lune manchmal alleinige Unterhaltungskuenstlerin sein haette koennen, gab jeder seinen Senf dazu und hatte seine Eigenheiten. Jedoch koennt ihr vermutlich nicht nachvollziehen wie suess es war das Lune dachte das alle Schweizer franzoesisch reden, kennt sicher jeder von euch einen Menschen der auf seine Art naiv und vielleicht genau deswegen wahnsinnig liebenswert ist. (:
Am naechsten Morgen hiess es fuer mich wahnsinnig frueh aufzustehen da ich zuerst noch Waesche waschen musste und danach ging es zu meinem ersten Vulcan in Ecuador, Vulcan Pinchincha. Im Grunde nennen die Leute ihn den Hausvulkan da er wahnsinnig leicht zu erreichen ist. Ausserdem wollte Fabrizio, den ich in Otavalo kennengelernt hatte ebenfalls seinen ersten Vulkan in Ecuador besteigen.
Also sprang ich in den Bus und fuhr zur Gondel die zum Eingang der Route fuehrte. Hier merkte ich wieder aus erster Hand das Staedte einfach nur verwirrend und kompliziert sind, denn wiedermal verpasste ich die Haltestelle und musste auf den naechsten Bus warten der mich wieder zurueck brachte. Trotz kleinen Umweg dachte ich das ich immer noch gut in der Zeit waere und versuchte die Gondel so schnell wie moeglich zu erreichen.
Dort bemerkte ich aber das die Haltestelle eine halbe Stunde Fussmarsch entfernt war und steil berg auf ging. Ich konnte in meinem Gedanken schon meine Stimme hoeren die verzweifelt immer lauter sagte das man sich vorher vielleicht doch ein bisschen besser informieren sollte. Jedoch hatte mich mein Glueck nicht verlassen und zwei Costa Ricaner reagierten auf meinen stummen Hilfeschrei. Die zwei gabelten mich noch am Fusse des Berges auf und wir beschlossen den Vulkan gemeinsam zu bezwingen.
Waehrenddessen merkte auch Fabrizio das die Stadt doch verschachtelter ist als angenommen und erreichte uns erst als wir schon lange weg waren. Dadurch das ich bereits spaet dran war und er weit und breit nicht zu sehen war beschlossen wir nach einiger Wartezeit bereits zu starten und ihn am Weg zu treffen.
Nachdem wir die 8,50 Dollar fuer die Gondel bezahlt hatten, hoffte ich das er vielleicht bereits nach oben gefahren ist und dort auf uns wartete doch auch an diesem Punkt war keine Spur von ihm. Wir warteten wieder ein wenig und gingen dann langsam los und sahen die erste Schaukel mit atemberaubender Aussicht auf Quito.
Ich wusste ja das es solche Schaukeln in Ecuador gibt, doch die erste ist immer was besonders. Direkt dort nutzten wir die Zeit um uns ein wenig wie Kinder zu fuehlen, um ungefaehr tausend Fotos und Videos und um auf unser letztes Midglied fuer unsere Wanderung zu warten. Doch leider immer noch keine Spur von Fabrizio.
Nachdem wir nicht laenger warten konnten beschlossen wir den Hike zu starten und konnten direkt die wunderschoene Landschaft zwischen den Wolken und dem dichten Nebel entdecken. Recht schnell verlor ich auch die beiden Costa Ricaner aus den Augen da ich alle 3 Meter stehen blieb um meine SD Karte noch weiter zu fuellen. Es schien irgendwie surreal wie die Pflanzen, Berge und Farben miteinander harmonierten und das konnte ich einfach nicht oft genug festhalten.
Ausserdem blieb ich nicht lange alleine, schon bald lernte ich April kennen die genauso unvorbereitet hierher kam wie ich. Wir verstanden uns auf Anhieb und bekam direkt gute Tipps ueber ihr Herkunftsland China und wurde eingeladen sie in Kanada zu besuchen. Mit Begeisterung nahm ich das Angebot an und sie ist natuerlich ueberall willkommen wo ich einmal leben werde :D.
Gemeinsam versuchten wir mit den Profis mitzuhalten und schafften es irgendwie mindestens drei Mal vom Weg abzukommen. Der Nebel wurde so dicht das man kaum etwas erkennen konnte. Obwohl die die beiden Costa Ricaner, Alex und Nelson, immer auf uns warteten hatten wir trotzdem das Talent immer wieder bei einer Klippe zu landen die eindeutig nicht der richtige Weg war.
Nachdem wir Abgruende gesehen hatten und an Steinwaenden herumgeklettert sind konnten wir endlich wieder mal einen Checkpoint von der Route entdecken und danach kam auch schon der sandige Teil. Ja, ihr habt richtig gelesen denn der Weg verwandelte sich in einen steilen Haufen Sand der meines erachtens schwer zu passieren war. Staendig rutschten wir ab, der Wind war so stark ich kaum was sehen konnte und die Kaelte verwandelte meine Finger zu Eis jedoch liess uns das nicht unterkriegen denn die Situation erinnerte mich an meine Kindheit.
Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern wie alt ich damals war aber ich sehe es noch direkt vor mir als wir einen Familienurlaub im schoenen und sonnigen Burgenland machen. Jeder der mich kennt weiss das Radfahren nicht gerade zu meinen Staerken zaehlt und dieser Urlaub war im Grunde darauf ausgerichtet. Obwohl ich die Zeit mit meiner Familie sehr genossen hatte, ich ein unheimlich suesses Kuscheltier bekam und die Landschaft atemberaubend war lernte ich zum ersten Mal meine Grenzen kennen als wir durch den Himmel und die Hoelle fuhren.
Der Name kommt daher das der Radweg mit einer schoenen Allee startete und genuegend Schatten spendete um immer weiter in die Pedale zu treten aber danach kommt eine Wuestenaehnliche Landschaft mit keinen einzigen Baum in Sicht. Nachdem ich die Begeisterung fuer diesen Sport so oder so nie wirklich teilen konnte beschloss ich in der Hoelle aufzugeben da mein Koerper meinte das es einfach nicht mehr weiter geht. Vermutlich haette ich es schaffen koennen aber als Kind ist man meistens noch ein groesserer Sturkopf als wenn man Erwachsen ist also konnte man mich von meiner – ich mag nicht mehr Einstellung – auch nicht abhalten.
Somit kehrte ich um und habe den schoenen See leider nie erreicht, meiner Mutter war schlau genug den Weg weiterzuverfolgen und erkannte das es nur weitere schlappe 10 Minuten waren bis wir angekommen waeren. Als ich das hoerte war ich ziehmlich sauer auf mich selbst und beschloss den Fehler nicht einmal zu machen. Deswegen erzaehlte ich April die Geschichte und mit grossen Schmunzeln setzten wir unsere Reise fort.
Nach einer halben Stunde erreichten wir wieder festen Boden und mussten nun mit Haenden und Fuessen noch den Gipfel bezwingen. Obwohl wir durch den Nebel die Landschaft nicht begutachten konnten war es ein tolles Gefuehl nach 4 Stunden den hoehsten Punkt von dem Vulkan zu erreichen. Direkt dort trafen wir auch Alex und Nelsen wieder sowie ein weiteres Paar von Kanada. Alle zusammen hatten mit dem Gedanken aufzugeben gekaempft aber wir waren froh das es jeder bis zum Ende durchgezogen hatte.
Vermutlich waere es nicht so eine grosse Herausforderung gewesen wenn das Wetter anders gewesen waere jedoch hatten wir unseren Moment als es wieder bergab ging. Denn genau in dem Augenblick als wir die Sandpassage runter rutschten klaerte sich der Himmel und wir konnten bis zur Stadt Quito sehen.
Ploetzlich schien alles so leicht, man konnte den Weg erkennen und mit grossen Gelaechter tauschten wir Geschichten aus welchen Weg wir stattdessen gewaehlt hatten. Nach zwei Stunden waren wir auch schon wieder bei der Gondle und genossen eine suessen Snack waehrend der Fahrt. Ein weiteres Highlight war, dass wir waehrend der Fahrt den Vulkan Cotopaxi erblicken konnten. Fuer viele von uns die naechste Halt von unserer Reise.
Am Fusse des Vulkans trafen wir auch endlich Fabrizio der das ganze Spektakel leider verpasst hatte. Jedoch hatte er ebenfalls einen ereignisreichen Tag in der Grossstadt und wir beschlossen dann anschliessend noch ein wenig umherzuwandern.
Alles in allem waren es ein paar tolle Tage in der Hauptstadt jedoch ging es fuer mich nun weiter nach Latacunga um weitere Vulkane zu besteigen :).
22. Juni 2019 – 25. Juni 2019